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Wo ist der Fortschritt?
Die gähnenden Eliten

Zunächst: Deutschland ist nach wie vor kein innovationsfeindliches Land. Wer das bezweifelt, leugnet die Realität in tausenden Supermärkten, Büros und Wohnungen, Autoläden und Computershops, wo sich Millionen drängeln, um das Neueste auszuprobieren, zu kaufen und anzuwenden. Nur: Die Angehörigen der geistigen Eliten findet man dort, wenn überhaupt, nur als verschämte Zaungäste. Technikangst und Innovationsmüdigkeit ist für den deutschen Intellektuellen längst zur sozialen Erkennungsmelodie geworden, so selbstverständlich wie früher das große Latinum. Stolz ist man vor allem darauf, was man nicht zu wissen braucht, weil sich dahinter nur Schlechtes verbirgt: Naturwissenschaften, Technologie und ökonomie. Die erzeugen, das weiß heute jedes Kind aus einem besseren Haushalt, nichts als Kummer und Ärger.

Während Marx, Engels und Bloch im Regal verstauben, wird die leichter verdauliche Kost des Münchener Soziologieprofessors Ulrich Beck geradezu verschlungen. Weit mehr als 100 000 Exemplare seines Buches "Die Risikogesellschaft" sind seit 1986 verkauft worden. Becks Grundthese ist gewagt, aber einfach zu verstehen: Innovation und Technik führen zunehmend einen regelrechten Krieg gegen die Menschheit. Technischer Fortschritt ist das größte bekannte Risiko. Verbluteten die vorangegangenen Generationen auf Schlachtfeldern, gingen immer mehr Menschen an den nicht mehr kontrollierbaren Folgen von Technologie zugrunde. Die einzige Chance der Menschheit bestehe darin, Fortschritt und Innovation so zu zähmen, dass Folge- und Nebenwirkungen gegen null tendieren. Weil alles Neue ein Risiko in sich trägt, wenngleich meist ein weitaus kleineres, als die Beck-Epigonen es wahrhaben wollen, gibt es nur ein Mittel gegen die allgegenwärtige Gefahr des Fortschritts: Man muss ihn verhindern. Wo nichts ist, ist auch kein Risiko. Sieben Jahrzehnte vor Beck hatte das Unbehagen der geistigen Elite vor komplexer Innovation schon einen Bestseller produziert, Oswald Spenglers "Der Untergang des Abendlandes". Spengler punktete in der dekadenten besseren Gesellschaft des niedergehenden Kaiserreichs, Beck unter den etablierten 68ern. Erschöpft vom Wohlstand und gelangweilt waren diese wie jene Generation. Faulheit war immer schon die Mutter der Dummheit.

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Aha
Interessant:
Mehr als zehn Millionen Deutsche surfen bereits über ihr Handy. Bis 2012 soll sich die Nutzerzahl verdoppeln.