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Improvisation
Unerwartet ist die Panne beim neuen Auto, überraschend kam der Regenguss, ohne Vorwarnung drangen Schnupfenviren in uns ein. Und so weiter. Weitaus seltener sind die Momente, in denen das Unerwartete etwas Erfreuliches signalisiert, etwa einen Lottogewinn oder eine Chance, die wir wahrnehmen könnten.

Das ist aber auch eine Frage der kulturellen Prägung. In unserer Kultur regnet es, oder es taucht die lästige Tante auf. In anderen Kulturen freut man sich über Abwechslung, weil das auch was bringen kann. Ganz deutlich brachten das die Vorfahren der Italiener auf den Punkt, die alten Römer. Im proviso bedeutete für sie so viel wie vorhersehen. Das ist eine schöne Bedeutung des Wortes. Denn das heißt auch, dass der Improvisator schlau ist, schnell erkennt, wie die Dinge neuerdings laufen. Auch Quantenmechaniker wissen das, denn sie sind schlau - und ihre Welt der Wahrscheinlichkeiten und ihre Interpretationen haben eine Vielzahl entscheidender Verbesserungen unserer ganz alltäglichen Welt gebracht.

Es sind die feinen Unterschiede, die man da beachten muss. Deterministen, Plandenker, halten die Welt für vorherbestimmbar. Improvisatoren, die Menschen des neuen Zeitalters, wissen, dass sie auf überraschungen offen reagieren müssen, um sie zu nutzen. In einigen praktischen Disziplinen denkt man nicht mehr daran, die Welt auf Dauer erklären zu wollen. Zukunftsforscher, das waren mal Leute, die den Verlauf der Dinge auf ein, zwei Jahrhunderte im Voraus "berechneten". Heute machen so etwas nur ausgesprochene Spinner und Fanatiker - seriöse Forscher hingegen versuchen, ihre Klienten auf Wahrscheinlichkeiten einzustimmen, auf eine Vielzahl von Szenarien und Möglichkeiten.

Es geht nicht mehr darum, das Beste zu wollen. Sondern darum, das Beste daraus zu machen. Selbst wenn es nicht all die guten Gründe gäbe, die dafür sprechen, so zu handeln: Alle, die nicht an ein unausweichliches Schicksal glauben, sind sich das schuldig. Mach das Beste daraus. Sogar diese optimistische und richtige Phrase lässt in unserem Kulturkreis den Verdacht keimen: Das Beste daraus machen, ist das nicht schon zweite Wahl? Ein falscher Idealismus, ein fanatischer Perfektionsglaube verhindert den Zugang zur Wirklichkeit. Spricht hier jemand Englisch? Ja? Was bedeutet denn "to improve"? Genau. Verbessern und veredeln. Ist das schlecht? Klingt das nach Notlösung? Nein. Nach Besserem.

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Aha
Interessant:
Darryl Zanuck, Produzent, Drehbuchautor, Schauspieler, Regisseur und Chef von 20th Century Fox, hielt 1946 nicht viel vom Fernseher: "Die Menschen werden bald müde sein, jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren."